Mit einer Leine hat der Hirte den Ochsen eingefangen; dieser wehrt sich noch heftig. Ein erster, noch sehr unsicherer Kontakt zu den Kräften des Unbewußten ist hergestellt. Die widerspenstige Macht der Phänomenwelt muß gebändigt werden.

Auf dieser Stufe ist Kenshõ bestätigt worden. Doch wie man auf dem Bild sieht, möchte der Ochse am liebsten davonlaufen, und der Hirte muß ihn mit aller Kraft zurückhalten.

Er hat nun tatsächlich genügend Erfahrung, um den Spruch zu verstehen: »Himmel und Erde und ich sind aus derselben Wurzel; alle Dinge und ich stammen aus der gleichen Quelle.«

Aber in seinem Alltagsleben kann er seinen Geist nicht so beherrschen, wie er es möchte. Zuweilen treibt ihn der Ärger um; zuweilen ist er von Habgier besessen, vor Eifersucht blind und so weiter. Er ist durch den Kampf gegen seine Leidenschaften und Begierden erschöpft, die unbezähmbar scheinen.

Das ist etwas, womit er nicht gerechnet hatte: Statt daß er einfür allemal das Kenshõ erlangt hätte, scheint er so schäbig wie eh und je gesinnt zu sein. Tatsächlich hat das Kenshõ offenbar zu neuen Leiden geführt. Er möchte sich an bestimmte Dinge halten, stellt aber fest, daß er genau das Gegenteil tut.

Seinen Kopf streckt er in die Höhenluft, aber sein Leib liegt am Fuß der Felsen. Doch kann und will er den Zügel nicht loslassen und versucht, den Ochsen gebändigt zu halten, auch wenn das seine Kräfte zu übersteigen scheint.

Heute hat er den Ochsen getroffen, der lange in der Wildnis umhergestreift war. Doch der Ochse schwelgte so lange in dieser Wildnis, daß es nicht leicht ist, ihn von seinen alten Gewohnheiten loszureißen.

Er sehnt sich noch nach dem süß duftenden Gras, noch ist er eigensinnig und wild. Will der Hirte ihn zähmen, so muß er zur Peitsche greifen.


ochsenbild04_spiegelung
Fest muß der Hirt das Leitseil packen,
darf es nicht loslassen,
denn noch hat der Ochse schlimme Neigungen und wilde Kraft.
Bald rennt er ins Hochland hinauf,
bald läuft er tief in Stätten voller Dunst und Nebel
und verweilt dort.





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